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Altern im Wandel

70 ist das neue 60

Die Menschen werden nicht nur älter, sie bleiben auch länger fit. Dies ist die Basis für einen aktiven Ruhestand. 

Älterer Mann sitzt auf dem Boden und hält sein Tablet in der Hand.
Wanderschuhe und Tablet gehören zum Lebensstil der Älteren genauso dazu wie zu dem der Jüngeren.

Im Ziel liegen Dieter Hempel und Hauke Rüther nah beieinander. Drei Stunden, 58 Minuten und 46 Sekunden braucht Hempel 2015 für den Berlin-Marathon, den er auf Platz 14.991 beendet. Nur eine Sekunde und sieben Plätze dahinter folgt Rüther. Beide fast gleichauf, und doch liegen Welten zwischen ihnen: Denn während Rüther 1980 geboren wurde, ist Hempel Jahrgang 1940.

Der Läufer vom Treptower Sportverein in Berlin zeigt eindrucksvoll, zu welchen Leistungen ältere Menschen fähig sind. Er war 2015 nicht nur der Beste in der Altersklasse der 75- bis 79-Jährigen, an seiner Marathonzeit beißen sich selbst viele jüngere Freizeitläufer die Zähne aus. Gewiss, Hempels Leistung setzt viel Training voraus und ist keineswegs selbstverständlich für Menschen seines Alters. Doch ebenso wäre es falsch, Senioren als gebrechliche Menschen abzustempeln. „Das Lebensalter sagt immer weniger über die Fähigkeiten des Einzelnen aus“, sagt Manfred Gogol, Ärztlicher Direktor der Klinik für Geriatrie in Coppenbrügge.

Länger leben heißt auch, länger gesund zu sein

Denn die Menschen in Deutschland werden nicht nur kontinuierlich älter, sie gewinnen zugleich mehr aktive und gesunde Lebensjahre hinzu. „Die heute 70-Jährigen sind so gesund, wie es die 60-Jährigen vor 20 Jahren waren“, sagt Elisabeth Steinhagen-Thiessen, Leiterin der Forschungsgruppe Geriatrie an der Charité Berlin. Bessere Lebensbedingungen und medizinische Versorgung führen dazu, dass selbst für hoch betagte Menschen die biologische Uhr heute anders tickt als in der Vergangenheit, wie die Heidelberger Hundertjährigen-Studie zeigt. Demnach sind die heute 100-Jährigen geistig und körperlich so fit wie die 90-Jährigen vor zehn Jahren.

Grafik, Gesundheit

Und die bessere Fitness eröffnet zugleich mehr Chancen, den Lebensabend aktiv zu gestalten. Das Bild vom Stubenhocker passt jedenfalls nicht mehr zur Realität heutiger Senioren, für die Selbstverwirklichung und Individualität ebenso wichtig sind wie für Jüngere: Sie reisen viel, treiben Sport, studieren, engagieren sich ehrenamtlich und pflegen ihre Freundschaften. Nie gab es so viele Senioren in den Fitnessstudios wie heute, nie belegten so viele ältere Menschen Kurse in den Volkshochschulen. Und die Rentner von morgen werden noch aktiver sein: Denn die nachrückenden Jahrgänge leben gesünder als die vor ihnen Geborenen im gleichen Alter.

Altersbild verbessert sich

Mit den vielen Möglichkeiten vor Augen verliert das Alter auch seinen Schrecken. Dies bestätigen die Ergebnisse des Deutschen Alterssurvey (DEAS) – einer Langzeitbefragung, die sich mit der Lebenssituation von Menschen in der zweiten Lebenshälfte befasst. Demnach hat sich zwischen 1996 und 2014 das Bild vom Älterwerden positiv verändert. Menschen sehen im Ruhestand immer stärker die Chance zur persönlichen Weiterentwicklung und verbinden damit weniger die Nachteile wie körperliche Einschränkungen. Am deutlichsten verbessert hat sich die Wahrnehmung unter den Ruheständlern selbst, die die Möglichkeiten der dritten Lebensphase persönlich erleben.

Wissenschaftler kommen deshalb zu einem eindeutigen Schluss: Je stärker Rentner am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilnehmen und sich aktiv betätigen, desto positiver wirkt sich das auf ihr Altersbild aus. Und mehr noch: Senioren, die sich selbst verwirklichen, betreiben damit auch die beste Prävention. „Wir wissen heute, dass die soziale Einbindung der wichtigste Faktor für ein langes Leben und die geistige Gesundheit ist“, betont Gogol.

Und wenn der Körper mitspielt, sind selbst im hohen Alter noch Höchstleistungen möglich. Das beweist auch Poul Jensen. Der Däne lief 2015 ebenfalls den Berlin-Marathon – in der Altersklasse Ü80. Und am Ende war er sogar noch rund 20 Sekunden schneller als Hempel.

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