Ehrenamtliches Engagement

28.02.2022

„Das hat mir neue Hori­zonte eröff­net“

Wolfgang Niedecken macht nicht nur Musik, sondern engagiert sich auch ehrenamtlich. Um sich nützlich zu machen, wie er sagt. Doch die Arbeit gibt ihm auch persönlich viel.

Herr Niedecken, viele kennen Sie als Sänger der Kölschrock-Band BAP. Was die meisten aber nicht wissen: Sie engagieren sich seit Jahren auch ehrenamtlich für das Kinderhilfswerk World Vision? Wie kam es dazu?

Niedecken: Ich war 2004 zum ersten mal als Botschafter für ,Gemeinsam für Afrika‘ in Uganda unterwegs. Damals tobte dort noch der Bürgerkrieg. World Vision betrieb dort ein Aufnahmelager für ehemalige Kindersoldaten. Ab dem Moment, als ich das gesehen und diese furchtbar geschundenen Kinder kennengelernt habe, war für mich nichts mehr wie vorher. 

Was machen Sie bei World Vision konkret?

Niedecken: Wir haben so eine Art Berufsschule für kriegsgeschädigte Kinder und Jugendliche. Darunter sind nicht nur ehemalige Kindersoldaten, sondern auch Mädchen, die entführt wurden. Wir versuchen, diesen Kindern eine Ausbildung zukommen zu lassen, ihnen eine Möglichkeit zu eröffnen, ihr Leben wieder in den Griff zu kriegen. Dafür sind die Berufsschulen, die wir finanzieren, eine ganz wichtige Sache.

Was bedeutet Ihnen die Arbeit?

Niedecken: Unsere ganze Zivilgesellschaft würde zusammenbrechen, wenn sich keiner ehrenamtlich engagieren würde. Und bei mir ist es relativ einfach: Ich habe gute Gelegenheiten gehabt, wo ich wirklich sinnvolle Sachen unterstützen konnte oder mitarbeiten konnte. Und das ist irgendwie auch ein Privileg.

Gibt Ihnen ihre ehrenamtliche Arbeit auch ein gutes Gefühl?

Niedecken: Es geht in erster Linie ja nicht darum, dass ich ein gutes Gefühl habe. Es geht darum, sich in der Gesellschaft nützlich zu machen und andere Leute zu respektieren. Und dabei auch nicht auf die Mark zu schauen, sondern sich solidarisch in der Gesellschaft zu verhalten. Und das wiederum gibt einem dann auch tatsächlich ein gutes Gefühl.

Welche Rolle spielt für Sie der persönliche Kontakt zu anderen Menschen? 

Niedecken: Der persönliche Kontakt mit den Menschen ist natürlich sehr wichtig. Daraus lernt man auch immer etwas. Wenn ich mir überlege, wen ich alles durch mein Engagement kennengelernt habe, das ist schon irre. Weltweit habe ich Menschen kennengelernt, die mir sehr imponiert haben und von denen ich auch lernen konnte. Das hat auch mir neue Horizonte eröffnet.

Was können wir musikalisch künftig noch von Ihnen erwarten? Das Konzert anlässlich Ihres 70.Geburtstags mit anschließender Tournee wurde im Vorjahr ja coronabedingt abgesagt.

Niedecken: Wir haben die ganze Tournee einfach um ein Jahr verschoben und werden nun zum 30. März in Köln gut vorbereitet das 71. Geburtstagsfest feiern. Und ich denke, das sollte dann auch klappen.

Wie lange möchten Sie noch aktiv auf der Bühne und im Rampenlicht stehen? Kommt für Sie eines Tages ein klassischer Ruhestand überhaupt infrage?

Niedecken: Ich habe keine Kristallkugel. Wie es momentan aussieht, würde ich sagen: Keinerlei Beschwerden. Man könnte ja auch sagen: 70 wäre ein Alter für Golf oder die Parkbank. Das ist aber bei mir nicht so. Ich will lieber rocken, so wie Ronny Kease und Bob, bis der Herrgott sagt: ,Komm rup‘. 

Inwieweit haben die vergangenen Jahre Ihre Sicht aufs Leben geprägt oder verändert?

Niedecken: Ich habe alle Jahrzehnte sehr bewusst erlebt. Und in jedem Jahrzehnt kommt etwas, was wieder prägt und was einen auch wieder verändert. Ich denke, man muss flexibel bleiben und seine Umwelt auch wirklich wahrnehmen. Nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern einfach wahrnehmen. Und dann werden sich wieder neue Chancen draus ergeben.